An dieser Stelle sind Dir die Achtelfiguren hoffentlich schon etwas langweilig geworden. Die Leseübungen sollten Dir keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Genau dann ist der richtige Moment, einen Schritt weiterzugehen: zu den Sechzehntelnoten.
Sechzehntelnoten lesen: das Tempo ist das eigentliche Problem
Die Notenwerte selbst sind schnell erklärt – das größte Problem beim Lesen von Sechzehntelnoten ist das Tempo, in dem das geschehen soll. Vier Noten pro Viertel bedeuten: Du hast pro Note nur noch einen Bruchteil der Zeit, um zu erkennen, zu verarbeiten und umzusetzen.
Deshalb beginnen die Übungen mit einem bequemen Tempo. Denn auch hier gilt: Zuerst müssen die Rhythmusfiguren sauber sitzen, dann wird das Tempo gesteigert. Ein Rhythmus, der langsam schon wackelt, wird schnell nicht besser – er wackelt nur schneller.
Tempo in kleinen Schritten steigern
Arbeite mit dem Metronom und geh in kleinen Schritten vor. Wenn eine Übung bei 60 bpm mehrmals hintereinander fehlerfrei und entspannt läuft, erhöhe um 5 bis 10 bpm – nicht mehr. Sobald Du anfängst zu stolpern oder zu verkrampfen, gehst Du wieder ein Stück zurück. Dieses langsame Herantasten fühlt sich zäh an, ist aber der schnellste Weg.
Zählweise für Sechzehntel-Rhythmik – und warum ich davon abrate
Das Mitzählen wird hier nahezu unmöglich. Natürlich gibt es auch eine Zählweise für die Sechzehntel-Rhythmik:
- „1 – e – und – e – 2 – e – und – e"
- „1 – ta – ka – ta – 2 – ta – ka – ta"
Damit kann man sich zwar behelfen, ich persönlich halte das aber für völligen Quatsch. Wir wollen musizieren und sind keine Zählmaschinen. Wer seine Aufmerksamkeit auf Silben lenkt, hat sie nicht mehr beim Klang – und spätestens im musikalischen Tempo bricht das Zählen ohnehin zusammen.
Rhythmusfiguren bildhaft erfassen statt Noten buchstabieren
Wie bei den Achtelfiguren gilt hier das gleiche Konzept: bildhaftes Erfassen ganzer (Viertel-)Figuren und unmittelbare rhythmische Umsetzung, ohne die einzelnen Noten zu lesen.
Ich vergleiche das gerne mit Sprache. Du liest ja auch nicht einzelne Buchstaben, sondern Silben oder ganze Wörter. Eine Sechzehntelfigur ist so ein Wort: Du siehst das Bild – und die Hand weiß, was zu tun ist. Kein Zwischenschritt, keine Übersetzung.
Von der Achtel- zur Sechzehntel-Rhythmik
Die Figuren sind Dir im Prinzip schon aus der Achtel-Rhythmik bekannt. Stell Dir einfach vor, das Tempo zu verdoppeln – und schon werden aus Achtelnoten Sechzehntelnoten. Die Steigerung von Achteln zu Sechzehnteln kennst Du auch aus der Rhythmuspyramide.
Das ist die gute Nachricht: Du lernst hier keine völlig neue Welt, sondern überträgst vertraute Muster in eine feinere Auflösung. Wenn Dir eine Figur zunächst fremd vorkommt, halbiere das Tempo und lies sie als Achtelfigur – das Bild ist dasselbe.
So verinnerlichst Du die Sechzehntelfiguren
Um die einzelnen Figuren zu verinnerlichen, solltest Du die folgenden Übungen am besten täglich üben. Es ist etwa wie Vokabeln lernen (graus!), aber es macht viel mehr Spaß!
Ein paar Hinweise, die Dir das Üben erleichtern:
- Lieber täglich kurz als einmal lange. Fünf bis zehn Minuten pro Tag bringen mehr als eine Stunde am Wochenende.
- Den Puls im Körper halten. Tippe die Viertel mit dem Fuß mit, während Du die Sechzehntel klatschst oder sprichst. So bleibt das Grundtempo stabil.
- Nur eine Figur pro Durchgang. Nimm Dir eine Figur vor und wiederhole sie so lange, bis sie ohne Nachdenken kommt.
- Nicht korrigieren, sondern neu ansetzen. Wenn eine Stelle mehrfach hängt, brich ab, geh im Tempo zurück und beginne dort erneut.
Wenn die Figuren sicher sitzen, geht es weiter mit den Sechzehntel-Leseübungen, in der die Figuren gemischt auftreten – genau darin zeigt sich, ob Du sie wirklich als Bild erfasst.