Was ist eine Tonart?
Nimm als Beispiel C-Dur. Bewegst Du Dich weitläufig innerhalb der C-Dur-Tonleiter, kannst Du sagen: Die Tonart ist C-Dur. Schauen wir uns die C-Dur-Tonleiter dazu noch einmal genauer an:
Der symmetrische Aufbau: die beiden Tetrachorde
Bei genauerem Hinsehen erkennst Du einen symmetrischen Aufbau. Die ersten vier Töne stehen in einer festen Beziehung zueinander, und die zweiten vier Töne folgen genau demselben Muster. Solche Vier-Tonreihen nennt man Tetrachorde (griechisch tetra = vier).
Merke: Jeder Tetrachord ist gleich aufgebaut:
Ganzton – Ganzton – Halbton
Beide Tetrachorde einer Dur-Tonleiter haben zueinander den Abstand eines Ganztons.
Die Kreuz-Tonarten: von C-Dur zu G-Dur
Jetzt beginnen wir die Tonleiter beim fünften Ton – dem G, zugleich der erste Ton des zweiten Tetrachords – und führen die Stammtonreihe weiter. Das sieht so aus:
Auf die Kennzeichnung der Ganztonschritte verzichte ich ab jetzt; markiert werden nur noch die Halbtonschritte.
Betrachten wir die Halbtonschritte dieser neuen Tonleiter. Der erste Tetrachord hat den richtigen Aufbau: Ganzton – Ganzton – Halbton. Beim zweiten Tetrachord stimmt der Aufbau für eine Dur-Tonleiter aber nicht mehr. Um den Halbtonschritt zwischen dem 7. und 8. Ton wiederherzustellen, erhöhen wir das F um einen Halbton zum Fis.
Nun sitzen die Halbtöne an den richtigen Stellen, und wir haben die G-Dur-Tonleiter vor uns.
Immer eine Quinte weiter: D-Dur und die Reihenfolge der Kreuze
Dieses Spiel lässt sich beliebig fortführen. Wir nehmen wieder die zweiten vier Töne der G-Dur-Tonleiter, erhöhen das C zum Cis und erhalten so die D-Dur-Tonleiter – und so weiter.
Hier eine Übersicht:
Mit jeder neu gebildeten Tonart kommt ein weiteres Kreuz hinzu. C-Dur hat kein Vorzeichen, G-Dur ein Kreuz (Fis), D-Dur bereits zwei (Fis und Cis) und so fort.
Merke: Die Kreuze treten stets in dieser Reihenfolge auf:
Fis – Cis – Gis – Dis – Ais – Eis
Mach Dir anhand der Übersicht noch einmal einen wichtigen Zusammenhang klar:
Merke: Die letzten vier Töne einer Tonart sind immer die ersten vier Töne der nächsten (manchmal eine Oktave tiefer notiert).
Warum 12 Tonarten? Die enharmonische Verwechslung
In der Überschrift war von 12 Tonarten die Rede, in der Übersicht siehst Du aber nur sieben. Natürlich könnten wir das System weiterführen und kämen tatsächlich auf 12 verschiedene Tonarten. Die nächste wäre Cis-Dur (zusätzliches Vorzeichen His), gefolgt von Gis-Dur (zusätzliches Vorzeichen Fisis) und so weiter.
Dabei entstehen Tonleitern, in denen jeder Ton ein Vorzeichen trägt – manche sogar Doppelvorzeichen. Das wird schnell anstrengend und unübersichtlich. Doch wie wir bereits gelernt haben, können wir zu Cis auch Des sagen und von diesem Ton aus dieselbe Tonleiter aufbauen. Dieses Vertauschen der Notennamen nennt man enharmonische Verwechslung.
Die b-Tonarten: von C-Dur zu F-Dur
Beginnen wir noch einmal bei C-Dur.
Da die Tonleiter symmetrisch ist, können wir die ersten vier Töne genauso gut als Ende der Tonleiter betrachten. Führen wir sie nach unten mit der Stammtonreihe fort, ergibt sich:
Diesmal stimmt der Halbtonschritt zwischen dem 7. und 8. Ton. Der zweite Halbtonschritt liegt jedoch zwischen dem 4. und 5. Ton. Das korrigieren wir, indem wir das H zum Bb erniedrigen. Damit stimmt der Aufbau wieder, und wir erhalten die F-Dur-Tonleiter.
Die Reihenfolge der b-Vorzeichen
Wie zuvor bei den Kreuz-Tonarten bilden wir auch hier weitere Tonarten. Hier die Übersicht über die b-Tonarten:
Mit jeder weiteren Tonart kommt ein zusätzliches b hinzu, und auch hier folgen die Vorzeichen einer festen Reihenfolge.
Merke: Die b-Vorzeichen treten stets in dieser Reihenfolge auf:
Bb – Es – As – Des – Ges – Ces
Analog zu den Kreuz-Tonarten sind die ersten vier Töne jeweils gleich mit den zweiten vier Tönen der nachfolgenden Tonart. Auch hier ließen sich weitere Tonarten bilden, doch das bringt nichts Neues: Ges-Dur lässt sich ebenso als Fis-Dur schreiben. Statt Ces-Dur mit sieben b wählt man in der Regel lieber H-Dur mit fünf Kreuzen – sechs Vorzeichen sind schließlich mehr als genug.
Geschafft!
Dies war ein langes Kapitel. Um in den Tonarten wirklich fit zu werden, solltest Du unbedingt die zugehörigen Übungen machen: Tonarten bestimmen (Dur), Dur-Tonleitern bestimmen und Dur-Tonleitern ergänzen. Viel Spaß dabei!