Der Haltebogen verbindet zwei gleich hohe Noten zu einem einzigen durchklingenden Ton. Die zweite Note wird nicht neu angeschlagen – sie verlängert nur die erste. Am Klang ändert der Haltebogen also nichts Kompliziertes, er ist reine Schreibtechnik. Trotzdem bringt er beim Blattlesen viele aus dem Tritt, denn: Wo ein Bogen steht, passiert genau dort nichts.
Wozu der Haltebogen gebraucht wird
Der wichtigste Fall ist das Taktende: Soll eine Note über den Taktstrich hinaus in den nächsten Takt hineinklingen, lässt sich das nur aufschreiben, indem zwei Noten notiert und mit dem Haltebogen verbunden werden. Eine Note, die „über den Taktstrich ragt", gibt es in der Notenschrift nicht.
Daneben wird der Haltebogen eingesetzt, um die Taktmitte optisch darzustellen. In Übung 1, erster Takt, könnte statt des angebundenen Achtels auch eine punktierte Viertelnote stehen – sie würde aber die Zählzeit 3 verdecken. Der besseren Lesbarkeit wegen wird der Takt deshalb in zwei Hälften geteilt und über die Taktmitte ein Haltebogen gesetzt.
Nicht alle Notensetzer halten sich daran. Die meisten Blattleser werden mir aber recht geben, dass Noten deutlich besser lesbar sind, wenn die Taktmitte auf einen Blick erkennbar ist.
Nicht verwechseln: Haltebogen und Bindebogen
Optisch sieht der Haltebogen genauso aus wie der Bindebogen (Legatobogen). Der Unterschied: Der Haltebogen verbindet zwei Noten gleicher Tonhöhe zu einem Ton, der Bindebogen verbindet verschiedene Tonhöhen zu einer gebundenen Phrase, in der jede Note erklingt. In reinen Rhythmusübungen wie hier ist jeder Bogen ein Haltebogen.
Übung 1 und 2: zwei Varianten der 3-2-Clave
In diesen beiden Beispielen klatschen wir zwei Varianten der sogenannten 3-2-Clave – drei Schläge im ersten, zwei im zweiten Takt. Übung 1 zeigt die Son-Clave, Übung 2 die Rumba-Clave; beide Rhythmusfiguren sind in unzähligen Salsa-Songs zu hören. Achte auf das angebundene Achtel: Genau dort, auf der Taktmitte, wird nicht geklatscht.
Übung 3: Viertel- und Achtelfiguren mit Haltebögen
Hier sind die bereits gelernten Viertel- und Achtelfiguren mit Haltebögen im Einsatz. Die Übung wird bei jedem Aufruf neu gewürfelt – etwa die Hälfte der möglichen Verbindungsstellen bekommt einen Bogen. Entscheide an jeder stillen Stelle bewusst: Pause oder gehaltene Note?
Wenn Dich die Bögen nicht mehr aus dem Tritt bringen, bist Du bereit für den nächsten Schritt: die Sechzehntelrhythmik.