Versuchen wir, den Tritonus mit seiner Sonderstellung in unser Intervallsystem einzuordnen. Dazu müssen wir die Intervallbezeichnung etwas genauer fassen – denn was ist ein Tritonus von C aus? Ein Fis oder ein Ges? Wenn wir die Noten aufschreiben wollen, müssen wir das unterscheiden.

Verminderte und übermäßige Intervalle

Dazu führe ich die Begriffe vermindertes Intervall und übermäßiges Intervall ein. Jedes Intervall – egal ob rein, klein oder groß – kann vermindert werden, indem man es um einen Halbton verkleinert, oder übermäßig werden, indem man es um einen Halbton vergrößert.

Bei reinen Intervallen sieht das am Beispiel der reinen Quarte C - F so aus:

C - Fes = verminderte Quarte
C - F = reine Quarte
C - Fis = übermäßige Quarte

Und hier ein Beispiel für kleine und große Intervalle:

C - Eses = verminderte Terz
C - Es = kleine Terz
C - E = große Terz
C - Eis = übermäßige Terz

Ein kleines Intervall kann nur zum verminderten Intervall werden – übermäßig kann es nicht werden: Erhöhen wir das kleine Intervall um einen Halbton, wird daraus ein großes Intervall. Erst das große Intervall wird durch Erhöhung um einen Halbton zum übermäßigen Intervall. Dafür lässt sich das große Intervall nicht vermindern.

Enharmonische Verwechslung – und wozu das Ganze?

Natürlich lassen sich die meisten verminderten oder übermäßigen Intervalle enharmonisch verwechseln und damit viel einfacher aufschreiben. C - Eses kann man als C - D schreiben – nur ist es dann eine große Sekunde und keine verminderte Terz mehr.

Wozu das alles, wirst Du Dich Haare raufend fragen. Nun, manchmal ist es logischer, die Intervalle so zu bezeichnen – mehr dazu bei den Akkorden, Thema Terzschichtung. In der Regel wirst Du es sehr selten brauchen, bis auf eine Ausnahme: den Tritonus. Dieser wird meist als verminderte Quinte angegeben, was streng genommen nicht ganz richtig ist, da er eigentlich als übermäßige Quarte zu sehen ist. Aber so genau will ich das hier nicht nehmen.

Alle Intervalle der Oktave im Überblick (C-Dur)

Übersicht über alle Intervalle innerhalb der Oktave am Beispiel C-Dur
Intervall Bezeichnung Bemerkung
C - Ces verminderte Prime (klingend eine kleine Sekunde abwärts)
C - C reine Prime  
C - Cis übermäßige Prime (klingend eine kleine Sekunde)
C - Deses verminderte Sekunde (klingend eine reine Prime)
C - Des kleine Sekunde  
C - D große Sekunde  
C - Dis übermäßige Sekunde (klingend eine kleine Terz)
C - Eses verminderte Terz (klingend eine große Sekunde)
C - Es kleine Terz  
C - E große Terz  
C - Eis übermäßige Terz (klingend eine reine Quarte)
C - Fes verminderte Quarte (klingend eine große Terz)
C - F reine Quarte  
C - Fis übermäßige Quarte (Tritonus)
C - Ges verminderte Quinte (Tritonus)
C - G reine Quinte  
C - Gis übermäßige Quinte (klingend eine kleine Sexte)
C - Asas verminderte Sexte (klingend eine reine Quinte)
C - As kleine Sexte  
C - A große Sexte  
C - Ais übermäßige Sexte (klingend eine kleine Septime)
C - Bbb verminderte Septime (klingend eine große Sexte)
C - Bb kleine Septime  
C - H große Septime  
C - His übermäßige Septime (klingend eine reine Oktave)
C - Ces verminderte Oktave (klingend eine große Septime)
C - C reine Oktave  
C - Cis übermäßige Oktave (klingend eine kleine None)

Verminderte und übermäßige Intervalle bestimmen

Bestimmen wir das Intervall C - Cis. Beide Noten haben den Grundnamen C, es handelt sich also um eine Prime. Eine Prime ist ein reines Intervall – da Cis gegenüber C aber um einen Halbton erhöht ist, wird aus dem reinen ein übermäßiges Intervall. C - Cis ist eine übermäßige Prime.

Nun das Intervall C - Deses: Klanglich ist das eine Prime. Aber die Grundnoten C und D haben den Abstand einer Sekunde, genauer einer großen Sekunde. C - Des ist dann die kleine Sekunde, C - Deses also die verminderte Sekunde.

Hmmm. Recht verwirrend. Denk Dir nichts, das ging mir beim Schreiben auch so. Ich tröste mich damit: Das lässt sich doch alles gar nicht heraushören, dann ist es nicht so schlimm, wenn ich es nicht ganz verstanden habe. Das ist ohnehin schon richtig graue Theorie – wichtiger ist erst einmal, die „normalen" Intervalle zu verstehen.