Nun lüften wir das Geheimnis der schwarzen Tasten.
Jeder Platz in unserem 5-Liniensystem ist bereits besetzt, und die Notennamen der weißen Tasten kennen wir schon. Außerdem wissen wir: Die schwarzen Tasten liegen jeweils im Halbtonabstand zu den weißen Tasten.
Die Namen der schwarzen Tasten leiten wir nun von einer benachbarten weißen Taste ab.
Beispiel: Die schwarze Taste zwischen C und D lässt sich auf C beziehen (ein Halbton über C) oder auf D (ein Halbton unter D).
Kreuz (#) und b – die beiden Vorzeichen
Um das im Notensystem auszudrücken, gibt es zwei Symbole:
- # (genannt Kreuz) für die Erhöhung um einen Halbton
- b (gesprochen wie der Buchstabe „B") für die Erniedrigung um einen Halbton
Merke: Ein # (Kreuz) erhöht einen Ton um einen Halbton – Du hängst die Silbe „is" an (C → Cis). Ein b erniedrigt um einen Halbton – Du hängst „es" an (D → Des).
Exkurs: Die Notennamen H und B – deutsch und international
Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass es oben eigentlich H und Hes heißen müsste.
Hier gilt eine kleine Ausnahme: Im Deutschen heißt das erniedrigte H nicht Hes, sondern B. Das allein wäre nicht weiter schlimm – knifflig wird es erst durch die internationalen Tonnamen. Die C-Dur-Tonleiter lautet dort nämlich:
C – D – E – F – G – A – B – C
Unser deutsches H wird hier also als B bezeichnet. Damit ist die Verwirrung fast perfekt, denn im Deutschen verstehen wir unter B den Halbton unter H. Hier ist wirklich Vorsicht geboten, denn die Literatur verwendet die Notennamen nicht einheitlich.
International erhalten erhöhte Töne den Zusatz „sharp": geschrieben C#, gesprochen „C sharp". Im Deutschen darfst – und sollst – Du weiterhin Cis sagen, denn das ist völlig gebräuchlich. Nur einem Amerikaner gegenüber sagst Du natürlich „C sharp".
Erniedrigte Töne bekommen international den Zusatz „flat": geschrieben Db, gesprochen „D flat". Auch hier gilt: im Deutschen bitte Des verwenden.
Um die Konfusion aus H, B und Bb („B flat") in den Griff zu bekommen, gab es verschiedene Ansätze. Viele Musikschulen unterrichten nach den internationalen Notennamen (also H = B). Weil aber im Deutschen niemand „C sharp" sagt, sondern Cis, wird das B (das unserem deutschen H entspricht) erniedrigt als Bes bezeichnet. Diese Lösung finde ich persönlich wirklich unglücklich – warum sollte man einen zusätzlichen Notennamen einführen?
Am weitesten verbreitet ist deshalb diese Lösung: Das deutsche H bleibt H, und das deutsche B heißt weiterhin B – oder im Zweifelsfall Bb (gesprochen „B flat").
Merke: Im Deutschen heißt das erniedrigte H nicht „Hes", sondern B (im Zweifel Bb, „B flat"). International steht B dagegen für unser deutsches H.
Wenn Dir jetzt der Kopf raucht und Du das Gefühl hast, gar nichts mehr zu verstehen: keine Sorge, das ist völlig normal! Nach und nach wird sich alles klären.
Vorzeichen auf alle Töne anwenden
Wir haben bisher gelernt, dass jede schwarze Taste zwei Notennamen tragen kann. Damit haben wir Namen für alle 12 Töne – für die schwarzen Tasten sogar jeweils zwei.
Erhöhungen und Erniedrigungen lassen sich jedoch auf alle Töne anwenden, bei Bedarf sogar doppelt.
Zum Beispiel:
Mit Kreuz erhöhte Noten
Hier zunächst eine Übersicht aller mit einem Kreuz erhöhten Noten. Eis ist derselbe Ton wie F – aber nicht dieselbe geschriebene Note. Den Unterschied zwischen Eis und F kannst Du also nicht hören; er existiert nur auf dem Notenblatt. Genauso verhält es sich mit His und C.
Mit b erniedrigte Noten
Und nun die Übersicht der mit einem b erniedrigten Noten. Hier ist E derselbe Ton wie Fes und H derselbe Ton wie Ces. Ausnahmen: Das erniedrigte A heißt As, und – wie oben erwähnt – das erniedrigte H heißt Bb.
Warum dieser Aufwand? Der Sinn hinter den Vorzeichen
Jedem normalen Menschen drängt sich an dieser Stelle natürlich die Frage nach dem Sinn dieser „Schikane" auf.
Beim jetzigen Kursstand ist das noch schwer zu erklären, aber hinter der ganzen Sache steckt ein logisches System. Um Tonleitern, Akkordverbindungen und ihre Zusammenhänge sinngemäß zu beschreiben, ist es manchmal nötig, zu E eben Fes oder zu Eis eben F zu sagen.
In den nächsten Kapiteln gehe ich gelegentlich darauf ein. Aber keine Panik: Diese Noten kommen nicht besonders häufig vor.
Doppelvorzeichen: Doppelkreuz und Doppel-b
Genauso verhält es sich mit den Doppelvorzeichen.
Wem es an dieser Stelle zu viel wird, der darf gern zum nächsten Kapitel springen und diesen Abschnitt später nachlesen.
Du musst Dich mit den Doppelvorzeichen noch nicht intensiv beschäftigen. Wenn Du über eines stolperst, solltest Du vor allem wissen, wie Du diese Note auf Deinem Instrument spielst.
Hier noch einmal die beiden Übersichten:
Vor die Note wird ein Doppelkreuz geschrieben (es sieht aus wie ein „x"), und Du hängst die Silbe „isis" an.
Vor die Note werden zwei b (Doppel-b) geschrieben, und Du hängst die Silbe „eses" an.
Merke: Das Doppelkreuz (sieht aus wie ein „x") bekommt die angehängte Silbe „isis", das Doppel-b die Silbe „eses".
Auch hier gibt es kleine Ausnahmen:
Das doppelt erniedrigte A wird neben Ases auch gern Asas genannt, um es nicht so leicht mit Eses zu verwechseln.
Das doppelt erniedrigte H heißt Heses; hier kommt die deutsche Schreibweise B nicht zum Tragen. Gelegentlich wird Heses auch Bebe oder Doppel-B genannt.
Aber hallo – Du hast bis zum Ende durchgehalten! Vorzeichen können Dich jetzt nicht mehr erschrecken.