Jetzt wird gelesen. In den folgenden vier Leseübungen tauchen genau die Rhythmusfiguren auf, die Du in der Sechzehntelrhythmik kennengelernt hast – diesmal aber gemischt und ohne Vorwarnung. Erst hier zeigt sich, ob Du eine Figur wirklich als Bild erfasst oder sie bisher nur aus dem Zusammenhang erraten hast.
Die vier Übungen bauen aufeinander auf. Arbeite sie in der vorgegebenen Reihenfolge durch und geh erst weiter, wenn die vorige Übung sicher und entspannt läuft.
So gehst Du die Leseübungen an
- Nicht mitzählen. Lies die Figuren als Ganzes und setze sie direkt um – so, wie Du beim Lesen ganze Wörter erfasst und nicht Buchstaben.
- Im langsamen Tempo beginnen. Sauber vor schnell – ein wackeliger Rhythmus wird durch Tempo nicht besser.
- Nicht stehenbleiben. Verlierst Du eine Stelle, lies im Puls weiter und setze beim nächsten Taktanfang wieder ein. Beim Blattlesen darfst Du nicht anhalten.
- Nicht auswendig lernen. Kennst Du eine Übung schon zu gut, nimm ein anderes Tempo oder eine andere Übung – gelesen werden soll das Bild, nicht die Erinnerung.
- Tempo in kleinen Schritten steigern. Läuft ein Tempo mehrmals fehlerfrei, erhöhe um 5 bis 10 bpm. Beim ersten Verkrampfen gehst Du wieder zurück.
Übung 1: Achtel und Sechzehntel kombiniert
Die erste Übung bringt die typischen Mischfiguren innerhalb eines Viertels: Achtel und Sechzehntel wechseln sich ab. Genau dieser Wechsel zwischen zwei Unterteilungen ist die eigentliche Hürde – nicht die Sechzehntel selbst.
Halte den Puls mit dem Fuß auf den Vierteln. Achte darauf, dass die Achtel nicht unmerklich zu Sechzehnteln „einrasten", sobald Du in den Fluss kommst – die beiden Unterteilungen müssen klar unterscheidbar bleiben.
Übung 2: Die gleichen Figuren mit Haltebögen
Jetzt kommen dieselben Bilder noch einmal – aber mit Haltebögen. Ein Haltebogen ändert an der Figur nichts, er nimmt Dir nur den Anschlag weg: Die Note klingt weiter, statt neu zu beginnen. Genau das bringt viele aus dem Konzept, denn wo nichts passiert, verliert man leicht den Bezug zum Puls.
Der Trick: Lass den Sechzehntel-Strom innerlich weiterlaufen, auch wenn Du ihn nicht anschlägst. Dann ist eine gebundene Stelle kein Loch mehr, sondern nur ein ausgelassener Anschlag an einer Position, die Du ohnehin fühlst.
Übung 3: Nur Sechzehntel
In der dritten Übung laufen die Sechzehntel durch – ein gleichmäßiger Strom ohne Wechsel der Unterteilung. Das klingt einfacher, als es ist: Hier fällt jede kleinste Unregelmäßigkeit sofort auf, weil kein Wechsel sie überdeckt.
Diese Übung ist Dein Gleichmäßigkeits-Test. Nimm ruhig ein sehr langsames Tempo und höre genau hin, ob wirklich alle vier Sechzehntel pro Viertel den gleichen Abstand haben.
Übung 4: Durchlaufende Sechzehntel mit Haltebögen
Die letzte Übung ist die anspruchsvollste: Der Sechzehntel-Strom bleibt bestehen, gespielt wird aber nur ein Teil davon. Aus dem gleichmäßigen Lauf werden so ganz eigene Rhythmen – und genau daraus besteht ein großer Teil der Rhythmik in Pop, Rock und Jazz.
Wenn Du hier ankommst und die Figuren ohne Zählen und ohne Stocken lesen kannst, sitzt die Sechzehntel-Rhythmik. Sollte bei den Notenwerten noch etwas unklar sein, hilft ein kurzer Blick zurück auf die Notenwerte und Pausen. Ansonsten: Metronom an – und los.