Die Hauptkadenz

Kategorie: Harmonielehre Kurs 2
Zugriffe: 190240

Eine Hauptkadenz zeichnet sich durch folgendes aus:

Aha!!! Ehrlich gesagt, ich konnte damit anfangs auch nicht viel anfangen :)

Gleich vorweg ein Beispiel. Die Hauptkadenz in C-Dur:

Die Hauptkadenz in C-Dur

Wie Du siehst, fließen hier alle vorherigen Übungen mit ein. Deshalb ist es wichtig, das Du diese durchgearbeitet hast

Natürlich könnten die Akkorde alle in der Grundstellung stehen, aber das klingt ziemlich langweilig. In der klassischen Harmonielehre ist das sogar verboten (Hört, hört!). Ich persönlich finde, in der Musik ist nichts verboten, solange es gut klingt. Vergleiche selbst, spiele die obige Hauptkadenz auf dem Klavier (oder Keyboard oder sonstwas) so wie sie geschrieben ist und spiele dann alle Akkorde in Grundstellung.

Betrachten wir nun nochmal die Stufendreiklänge in C-Dur:

Die Stufendreiklänge der C-Dur Tonleiter

Hier fällt auf, daß nur 3 Dur-Dreiklänge vorkommen. Diese sind sehr wichtig um die Tonart auszudrücken. Es gibt sehr viele Musikstücke, die nur mit diesen 3 Hauptdreiklängen auskommen. Du mußt nur mal in einem Songbook für Wandergitarre blättern .

Bei genauerer Betrachtung fällt auch auf, daß die Akkorde in einem symmetrischen Verhältnis zueinander stehen. Vom Grundakkord C ist G eine Quinte (nach oben) entfernt. Genauso ist es mit F. F ist von C ebenfalls eine Quinte (diesmal nach unten) entfernt.

Deswegen spricht man auch von Quintverwandtschaft.

Um nun die Kinder endlich beim Namen zu nennen:

Soviel zur grauen Theorie. Nun will ich erklären, wie Du eine Hauptkadenz aufbaust.

Es gibt noch zahlreiche andere Kadenzen, aber die Hauptkadenz ist immer aus den 3 Dur-Akkorden einer Tonart aufgebaut. Und zwar in der Reihenfolge:

I. Stufe - IV. Stufe - V. Stufe - I. Stufe.

Beispiel C-Dur: C - F - G - C

Beispiel G-Dur: G - C - D - G

Dies ist sehr einfach. Wenn Du die Übungen zu den Stufendreiklängen durchgearbeitet hast, solltest Du jetzt alle 12 Hauptkadenzen aus dem Kopf aufsagen können. Na los...

Wie Du ganz oben am Beispiel C-Dur siehst, wird dort mit Umkehrungen gearbeitet. Jetzt ist die Frage, wann nimmt man welche Umkehrung?

Dazu muß ich etwas vorgreifen. Für solche Fälle gibt es eindeutige Regeln, genannt Stimmführungsregeln. In der klassischen Harmonielehre sind diese sehr streng, in der populären (oder auch Jazz-Harmonielehre) wird das nicht ganz so streng gesehen.

Ich will an dieser Stelle nicht weiter auf die Stimmführungsregeln eingehen. Ich stelle nur kurz die wichtigsten vor, die Du brauchst, um die Übungen richtig zu lösen.

Willst Du zwei Akkorde verbinden die einen oder mehrere gemeinsame Töne haben, dann bleiben diese Töne an ihrem Platz stehen. Sie bleiben liegen.

Beispiel:

Akkordverbindung C - F, die Note C bleibt liegen Falsch! Die Note C verändert ihre Lage

Und hier die nächste Stimmführungsregel:

Das heißt soviel wie dass die Stimmen nicht wild durcheinanderspringen, sondern möglichst in die nächstgelegene Note geführt werden. Also e wird zu f (Halbtonsprung) und g wird zu a (Ganztonsprung).

Der Leitton ist der siebte Ton der Tonleiter, in C-Dur also das h. Er heißt deswegen so, weil das h eine starke Auflösungstendenz zum c (in den Grundton) hat. Es ist ja nur ein Halbtonabstand. Der Leitton ist gleichzeitig die Terz der V. Stufe. In C-Dur ist das h die Terz des G-Dur-Akkordes. Die Auflösung von h nach c ist sehr wichtig für den akkustischen Eindruck der Schlußwirkung.

Das heißt soviel wie, nimm nicht zweimal hintereinander die gleiche Akkordlage. Z.B. C-Dur in der Grundstellung gefolgt von F-Dur in der Grundstellung ist verboten. Zu diesem Verbot hab ich ja oben schon meinen Senf dazu gegeben.

Beispiel:

 Akkordverbindung F - G, jede Stimme ändert sich Falsch! Parallelverschiebung

Wem das nun zu kompliziert ist, dem möchte ich noch ein paar Tipps geben, die die Sache wesentlich vereinfachen. Es gibt ein einfaches Schema, nach dem man Hauptkadenzen aufbauen kann.

Fängst Du in der I. Stufe mit der Grundstellung an, so ist die IV. Stufe immer die 2. Umkehrung, die V. Stufe immer die 1. Umkehrung und die Auflösung in die I. Stufe wiederum die Grundstellung.

Fängst Du in der I. Stufe mit der 1. Umkehrung an gilt:

Fängst Du mit der 2. Umkehrung an gilt:

Es ist immer das gleiche Schema. Ist nun ein Akkord vorgegeben, analysiere zuerst die Umkehrung des Akkordes, dann weißt Du automatisch, welche Umkehrung der nächste Akkord haben muß. Dann überlege, welche Töne hat der nächste Akkord. Sind gemeinsame Töne vorhanden, so schreibe diese zuerst in gleicher Lage auf. Dann kannst Du dir überlegen wie die restlichen Töne geführt werden müssen.

Es ist sehr einfach, wenn man sich nur etwas hineinbeisst ;-)) Mach die Übungen und Du wirst selbst sehen. Viel Spaß dabei!